Nosferatu-Spinne

Art aus der Familie der Kräuseljagdspinnen

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Nosferatu-Spinne

Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)

Systematik
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Wolfspinnenartige (Lycosoidea)
Familie: Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae)
Gattung: Zoropsis
Art: Nosferatu-Spinne
Wissenschaftlicher Name
Zoropsis spinimana
(Dufour, 1820)
Die Nosferatu-Spinne ist auch für Laien gut erkennbar anhand der Kombination folgender Merkmale: 1) Die Zeichnung auf dem vorderen Vorderkörper ähnelt einem Totenschädel/Nosferatu 2) Die Zeichnung auf dem hinteren Vorderkörper ähnelt einem Schmetterling, 3) Ein dunkles Band mit je drei dunklen Flecken auf dem Hinterkörper 4) geringelte Beine 5) ein helles Augenfeld 6) die Länge (10–20 mm Körper, bis zu 5 cm mit Beinen, also auffallend groß)

Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana)[1] ist eine zu den Echten Webspinnen zählende Art aus der Familie der Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae)[2] in der Überfamilie Wolfspinnenartigen (Lycosoidea).[3] Die ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatete Art hat sich durch Verschleppung und die globale Erwärmung auch in Mitteleuropa ausbreiten können.

Merkmale

Die Körperlänge männlicher Individuen erreicht 10 bis 13 mm, diejenige weiblicher Tiere 15 bis 19 mm; mit ausgestreckten Beinen werden 5 cm erreicht. Der Vorderkörper (Prosoma) ist gelblich-weiß mit ausgedehnter schwarzer Zeichnung und hellem Augenfeld. Die Zeichnung auf dem hinteren Prosoma, im Bereich der Fovea, erinnert an einen Schmetterling. Die Zeichnung auf dem vorderen Prosoma erinnert an einen Vampirschädel und hat der Spinne ihren Trivialnamen verliehen. Der Hinterleib (Opisthosoma) ist vorne gelb-weißlich, hinten grau bis braun gefärbt und weist eine mediane schwarze Zeichnung auf. Diese besteht aus einem dunklen Streifen in der Mitte und beidseitig drei noch dunkleren Flecken. Die Beine sind gelblich-grau, manchmal auch dunkel gefärbt, mit schwarzen Ringeln.[4] Von ihrem Aussehen her erinnert sie an eine große Wolfsspinne. Eine Besonderheit ist, dass sie dank ihrer Hafthaare an den Füßen auch an glatten Oberflächen wie z. B. Glaswänden klettern kann.[5]

Verbreitung

Heimat von Zoropsis spinimana ist die westliche Mittelmeerregion bis zum Südrand der Alpen und Dalmatien, sowie Nordafrika, wo sie im Freiland in Tieflagen in lichten Wäldern, bevorzugt Kiefernwäldern, unter Steinen und Rinde oder synanthrop in und an Gebäuden vorkommt. Die einjährigen Tiere werden im Herbst geschlechtsreif. Die Weibchen legen ihre Eier im Frühling, sitzen in einer Brutkammer auf dem Kokon und verlassen diesen anscheinend nicht mehr.[4]

In den 1990er Jahren wurde sie nach Kalifornien eingeschleppt und hat sich dort in der Umgebung der San Francisco Bay etabliert.[6]

Etwa seit der Jahrtausendwende werden Beobachtungen aus Österreich, der Schweiz, und seit 2005 auch aus Deutschland gemeldet, so aus Fellbach,[7] Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg), Senftenberg/Lausitz (Brandenburg), Leipzig (Sachsen)[8], Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen, wohin sie wahrscheinlich mit dem Menschen gereist ist. Ihr Vordringen nach Norden legt einen Zusammenhang mit der Globalisierung und dem Klimawandel nahe. Unklar ist allerdings, ob die Art sich auch im Freiland etabliert hat oder streng synanthrop ist, denn bislang wurde sie nördlich der Alpen nur in Häusern gefunden, z. B. in Neukirchen-Vluyn, wo eine ganze Population von alten und jungen Tieren nachgewiesen wurde. Auch aus Russland und Georgien (Abchasien) liegen Fundangaben vor.[9]

Stand 2022 ist die Art in Deutschland weit verbreitet am Oberrheingraben, in der Metropolregion Rhein-Neckar, im Raum Stuttgart, im Rhein-Main-Gebiet, Rheinhessen und am Niederrhein von Bonn bis ins westliche Ruhrgebiet. Aber auch aus Bayern, dem Saarland, dem Rest von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen, Berlin, Bremen und Hamburg liegen vereinzelte Funde vor. In der Schweiz ist sie nördlich und westlich der Alpen häufig zu finden, vor allem in und um Zürich, Basel, Genf, Lausanne, Bern und Luzern. Im Süden der Schweiz, entlang der Grenze zu Italien ist die Art ebenfalls häufig, aus der zentralen Schweiz liegen nur vereinzelte Funde vor. In Österreich wurde die Art vor allem in und um Wien und Graz gefunden, vereinzelte Funde gibt es jedoch auch aus anderen Landesteilen, vor allem im Osten und im zentralen Österreich.[10]

Lebensweise

Zoropsis spinimana ist eine frei jagende Art, sie sitzt also nicht als Lauerjäger in einem Spinnennetz, sondern läuft auf der Suche nach Beute umher. Dennoch gehört sie zu den cribellaten Spinnen, das heißt, sie kann feine Fangwolle spinnen. Im Gegensatz dazu produzieren ecribellate Spinnen Leimfäden. Dies ist ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen den Kräuseljagdspinnen und den ähnlichen Wolfsspinnen. Zum Beutefang wartet Zoropsis spinimana bewegungslos auf vorbeikommende Beutetiere, die dann mit einer schnellen Raffbewegung gepackt und zu den Cheliceren geführt wird. Anschließend erfolgt der Giftbiss. Die Beutetiere werden extraintestinal verdaut und die ausgesaugten Hüllen sind nach dem Fressakt in der Regel kaum mit Spinnseide überzogen.

Name

In einigen Medien (Fernsehen, Zeitungen) wird Zoropsis spinimana als „Tarantel“, „Kräuselspinne“ oder „Kräuseljagdspinne“ bezeichnet, was zu Verwechslungen mit der Familie der Kräuselspinnen (Dictynidae) führen kann.[11][12] Auch die Bezeichnung „Kräuseljagdspinne“ ist irreführend, da die Familie der Kräuseljagdspinnen (Zoropsidae) insgesamt 178 Arten umfasst. Beide deutsche Namen sind für Zoropsis spinimana nicht offiziell etabliert. Der deutsche Trivialname Nosferatu-Spinne, der sich in den Medien durchsetzen konnte, beruht auf der Zeichnung des Prosomas, siehe dazu den Abschnitt Merkmale.

Biss

Wenn die Nosferatu-Spinne in die Enge getrieben wird oder sich bedroht fühlt, kann sie auch den Menschen beißen, was aber harmlos ist. Solange keine Allergie gegen ihr Gift vorliegt, ähnelt der Biss einem Mückenstich oder in selteneren Fällen einem leichten Bienenstich.[13][14][15]

Literatur

  • A. Hänggi, A. Bolzern: Zoropsis spinimana (Araneae: Zoropsidae) neu für Deutschland. In: Arachnologische Mitteilungen. Band 32, 2006, S. 8–10. (PDF)
  • C. E. Griswold, D. Ubick: Zoropsidae: A Spider Family Newly Introduced to the USA. In: The Journal of Arachnology. Band 29, 2001, S. 111–113. (PDF, 143 kB)
  • M. Kreuels: Die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana. In: Pest Control. Band 36, 2007, S. 16. (PDF, 1,5 MB, im Webarchiv)
  • M. Kreuels, A. Staudt, S. Christian: Die Spinnenfauna von Luxemburg – eine Zusammenstellung der Nachweise aus den Jahren 1906–2018 (Arachnida: Araneae). In: Bull. Soc. Nat. luxemb. Band 121, 2019, S. 225 u. 227. PDF
  • J. A. Massard & G. Geimer: Neu für Luxemburg: Kräuseljagdspinne in Echternach entdeckt. In: Lëtzebuerger Journal, 17. November 2018, Nr. 268, S. 18. PDF

Weblinks

Commons: Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Marcus Schmidt, Ambros Hänggi: Zoropsis spinimana in D, A, CH – Nosferatu als Spinne. In: DpS – Fachzeitschrift für Schädlingsbekämpfung. Band 5, 2018, S. 7–8 (schaedlings.net [abgerufen am 8. Dezember 2019]).
  2. Norman I. Platnick: The World Spider Catalog, Version 7.5. American Museum of Natural History, 2007.
  3. Joel Hallan: Synopsis Of The Described Arachnida Of The World. Department of Entomology, Texas A&M University 2003.
  4. a b Heimer & Nentwig: Spinnen Mitteleuropas – Online-Schlüssel. 1991.
  5. Youtube-Video zeigt eine kletternde Zoropsis spinimana (im Glas)
  6. C. E. Griswold, D. Ubick: Zoropsidae: A Spider Family Newly Introduced to the USA. In: The Journal of Arachnology. Band 29, 2001, S. 111–113.
  7. Direkt überm Bett: Nosferatu-Spinne nun auch im Rems-Murr-Kreis gesichtet - Rems-Murr-Kreis - Zeitungsverlag Waiblingen. 3. September 2022, abgerufen am 5. September 2022.
  8. Nosferatu-Spinne in einem Keller in Sachsen nachgewiesen In: mdr Wissen, 21. Dezember 2021, abgerufen am 31. Januar 2022.
  9. A. Hänggi, A. Bolzern: Zoropsis spinimana (Araneae: Zoropsidae) neu für Deutschland. (PDF; 198 kB). In: Arachnol. Mitt. Band 32, 2006, S. 8–10.
  10. Zoropsis spinimana auf inaturalist.org, abgerufen am 6. September 2022
  11. Giftspinne erobert Deutschland. (Memento vom 6. Januar 2013 im Webarchiv archive.today) In: bild.de, 8. Januar 2008.
  12. Neue Spinnen kommen ins Land. In: NZZ. online, 20. Januar 2008, abgerufen am 31. Januar 2022.
  13. Siegfried Huber, Tobias Bauer (2012): Bisswirkung von Zoropsis spinimana. wiki.spinnen-forum.de.
  14. Die Immigration der Zoropsis spinimana.
  15. A. Hänggi & I. Zürcher (2013): Zoropsis spinimana – eine mediterrane Spinne ist in Basel (NW-Schweiz) heimisch geworden. Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel 14, S. 125–134.
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